Westerheim :: Landkreis Unterallgäu :: Die erste "SB-Tankstelle" in Westerheim

 

 

 

 

DIE ERSTE “SB-TANKSTELLE” IN WESTERHEIM

(Quelle: mündl. Überlieferung von Alois Hebel sen.)

Als Westerheim noch über einen eigenen Bahnhof verfügte, waren im März und April 1945 auf den Neben- und Rangiergleisen der Ottobeurer Strecke, mehrere mit Kerosin gefüllte Waggons abgestellt. Der unmittelbar angrenzende Hochwald, sollte diese wertvolle Fracht vor feindlichen Flugzeugen schützen. Zwei Tage vor dem Einmarsch der Amis, schleppte eine Rangierlok sämtliche Waggons auf das Fliegerhorstgelände. Dort wurde dann das Kerosin in den zahlreichen Bombentrichtern „umweltschonend“ entsorgt.

Das Abschleppen, der mit Kerosin gefüllten Waggons, wurde damals vor allem von den Westerheimer Schlepperbesitzern sehr bedauert.

Denn in den meisten Waggons waren von Bomben- oder Granatsplittern verursachte Löcher. Diese Leckstellen waren nur notdürftig – mit Stofffetzen umwickelten Holzstöpseln – verschlossen worden. Findige Köpfe fanden diese Schwachstellen schnell heraus und machten auch andere auf die günstige "Tank-Gelegenheit" aufmerksam. Man brauchte nur an den Stöpseln etwas zu rütteln und schon sickerte das Bleibenzin in die darunter gestellten Gefäße.

Deshalb strebten nach Anbruch der Dunkelheit immer mehr finstere - mit Kannen und Kübeln bewaffnete Gestalten - in Richtung Bahnhof. Das Kerosin eignete sich sehr gut, um die streng rationierten Dieselzuteilungen zu strecken. Und bei einem Mischungsverhältnis von 1:1 liefen die Schleppermotoren ohne Probleme.

Nach und nach wurde der Andrang an dieser 1ten kostenlosen „SB-Tankstelle“ des Allgäus immer größer. Denn mittlerweile nutzten auch Einwohner, die damals keinen Schlepper hatten, die günstige "Tank-Gelegenheit". Diese konnten den "Ersatz-Treibstoff" als Lockmittel nutzen, um die Zugmaschinenhalter in der Erntezeit zur Nachbarschaftshilfe zu animieren.

Dieser Bericht bewahrheitet wieder, dass die Not erfinderisch machte. Und da solche oder ähnliche Taten mittlerweile verjährt sind, kann heutzutage auch darüber berichtet werden. Damals wären sie als Sabotage-Akte strengstens bestraft worden.

 

 

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