Westerheim :: Landkreis Unterallgäu :: Dienstbotenlohn 1934/35

 

 

 

 

DIENSTBOTENLÖHNE IM JAHRE 1934/35

(Quelle: mündl. Überlieferung von Alois Hebel sen.)

Bereits in früheren Jahren wurden so genannte Haushaltsbücher geführt – so auch von Anton Hebel.

Die nachfolgende Aufstellung zeigt einen Auszug aus dem Jahre 1934/35 seines Haushaltsbuches.

Es handelt sich hierbei um die Jahresabrechnungen, der standardmäßigen Dienstboten-Löhne seines Knechts, der Magd und des Kindermädchens.

Zuvor sollten jedoch noch folgende Begriffe erläutert werden, damit jeder weiß, um welche Art von Zahlungen es sich hierbei handelte und wie diese Zahlungen gehandhabt wurden.

Invalidenversicherung: Für diese Versicherung musste der Dienstherr bei der Post die so genannten Invaliditätsmarken abholen und in das Dienstbüchlein des Dienstboten einkleben. Die damalige Invalidenversicherung war gleichbedeutend zur heutigen Rentenversicherung.

Krankenversicherung: Dieser Versicherungsbeitrag wurden ebenfalls ins Dienstbüchlein eingetragen.

 

Haftgeld: Diese Auszahlung erhielt der Dienstbote an Allerheiligen (1. November). Voraussetzung für diese Zahlung war, dass der Dienstbote die verbindliche Zusage macht, an Lichtmess (2. Februar) wieder zu kommen. Bei einem Wechsel der Dienstboten, musste der neue Dienstherr das Haftgeld berappen.

Stärke: Diese Auszahlung erhielt der Dienstbote an Lichtmess (2. Februar). Heutzutage würde man hierzu "Urlaubsgeld" sagen. Jedoch wurde der Begriff "Urlaub" zur damaligen Zeit recht selten benutzt. Die "Urlaubstage" der Dienstboten, wurden früher "Schlenkelstage" genannt und betrugen 8 – 12 Tage.

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Knecht: Probst Gottlieb

Barlohn:

270,00 Reichsmark

Invalidenversicherung:

46,80 Reichsmark

Krankenkassenbeitrag:

32,40 Reichsmark

Haftgeld:

5,00 Reichsmark

Stärke:

10,00 Reichsmark

Namenstag:

1,00 Reichsmark

Jahrmarkt:

2,00 Reichsmark

Christkind:

  3,20 Reichsmark

Jahreslohn:

370,40 Reichsmark

Bei Erntearbeiten an Sonn- und Feiertagen gab es für Knechte und Mägde eine Sonderzulage in Höhe von 2,00 – 5,00 Reichsmark.

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Magd: Kirchensteiner Theresia

Barlohn:

240,00 Reichsmark

Invalidenversicherung:

31,20 Reichsmark

Krankenkassenbeitrag:

30,00 Reichsmark

Haftgeld:

5,00 Reichsmark

Stärke:

10,00 Reichsmark

Jahrmarkt, Namenstag u. Kinderbetthilfe:

7,00 Reichsmark

Christkind:

  3,20 Reichsmark

Jahreslohn:

326,40 Reichsmark

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Kindermagd und Hiatafehl (von Mai - Oktober): Seitz Melanie

Barlohn:

30,00 Reichsmark

1 Werktagskleid:

2,40 Reichsmark

1 Hemd:

  1,60 Reichsmark

Gesamtlohn

34,00 Reichsmark

Hiatabuaba und Hiatafehla traten ihren schweren und verantwortungsvollen Dienst Mittags nach Schulschluss an. Dieser Dienst war deshalb schwer und verantwortungsvoll, weil es damals noch keine Elektrozäune und auch nur sehr wenige Stacheldrahtzäune gab. Hatte man dann das Pech, dass ein Rüben- oder Kleeacker in der Nähe war, musste man den ganzen Nachmittag flitzen, um die Rindviecher zusammen zu halten. Man sehnte deshalb den Michaels-Tag (29.09.) herbei, denn da hieß es dann: „Michaeli ist rum, lass Vieh rum und num.“ Denn ab diesem Tag war fast alles abgeerntet und somit hatten die Wiesen ziemlich gleich viel (oder gleich wenig) Futter.

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